Im Rahmen der Exkursionen des Schwalmgymnasiums besuchten unsere 10. Klassen auch dieses Jahr wieder die Gedenkstätte und das Museum Trutzhain. Frau Dieling, Herr Spenner und Herr Steuber begleiteten sie. Eine Jahrgangsstufe, die zur Zeit die Geschichte des 20. Jahrhunderts durchnimmt, bekommt hier unmittelbaren Einblick in das durch den Zweiten Weltkrieg verursachte menschliche Leid, aber auch in den oft unbeugsamen Überlebenswillen der Betroffenen.
Der Ursprung Trutzhains liegt in einem 1939 angelegten Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht („Stalag IX A“), in dem zunächst polnische und französische, ab 1941 auch sowjetische Soldaten und Gefangene anderer Nationalitäten unter oft sehr harten Bedingungen, z.B. Hunger, Krankheit, Platzmangel und Zwangsarbeit, interniert wurden. Nach Kriegsende diente das Lager den Amerikanern zur Internierung deutscher Gefangener, überwiegend Funktionsträger des NS-Regimes, dann als vorläufige Bleibe für „Displaced Persons“, z.B. Zwangsverschleppte, die nicht nach Osteuropa zurückkehren, sondern nach Übersee auswandern wollten, und schließlich als Unterkunft für deutsche Vetriebene aus den Ostgebieten, vor allem aus dem Sudetenland. Viele dieser Flüchtlinge sind dort geblieben und haben die ehemaligen Baracken zu Wohnhäusern oder Gewerbebetrieben umgebaut, was wir bei unserem Besuch noch gut erkennen konnten.
Das Museum der Gedenkstätte widmet allen vier Phasen jeweils eigene Ausstellungen, die nicht nur anhand von Originaldokumenten, sondern auch durch entsprechende Exponate die damaligen Lebensbedingungen veranschaulichen und zu weiteren Recherchen anregen. Aber auch in der Umgebung gibt es viel zu sehen – neben der schon erwähnten Architektur vor allem die beiden Friedhöfe: Einmal den im Wald gelegenen „Franzosenfriedhof“, aus dem später der Dorffriedhof hervorging, und zum anderen den „Russenfriedhof“, noch tiefer im Wald gelegen und nach Maßgabe der NS-Rassenideologie als Massengrab angelegt. Seit einigen Jahrzehnten wird dieser Friedhof aber gepflegt und hat ein würdevolles, mit den Namen der Opfer gestaltetes Äußeres erhalten.
Unsere drei 10. Klassen lernten in Trutzhain Einzelschicksale und Hintergründe kennen, die kein Lehrbuch und keine Unterrichtsstunde so ausführlich darstellen können. Einige brachten umfangreiche Vorkenntnisse mit und konnten aus dem Ausstellungsmaterial selbstständig eigene Fragestellungen thematisieren, so dass die Exkursion uns auch arbeitsmethodisch weitergebracht hat. Besonderer Dank gilt Frau Forst und Herrn Sakautzki von der Gedenkstätte für die freundliche, sachkundige und anschauliche Betreuung unserer Schülerinnen und Schüler.